Zwischen den Ortsteilen und der Innenstadt klaffen an vielen Stellen für die Radlerinnen und Radler größere Lücken. Sichere, durchgängige und komfortable Fahrradverbindungen von den Dörfern in die City sucht man nach den Worten von Karl-Heinz Tiemann als Sprecher für die vom „FahrradNetzWerk“ in der örtlichen Politik vorgenommene Umfrage meistens vergeblich. Die Vision: Schnellverbindungen für die Nutzerinnen und Nutzer von Fahrrädern als echter Baustein der Verkehrswende. Die Realität: Kaum Planungen, kein verbindlicher Zeitplan.
Teil VI der Serie zu Radwegen in Lippstadt

Der Radweg entlang der Wiedenbrücker Straße in der Höhe des Stadions des SV Lippstadt 08 während eines Fußballspiels der Schwarz-Roten, wo parkende Fahrzeuge den Radlerinnen und Radlern den Weg nach Bad Waldliesborn versperren.
Foto: Karl-Heinz Tiemann
Tempo
Der Radler-Zweig des Lippstädter Klimanetzwerks wollte von den Parteien und Akteuren der Kommunalpolitik wissen, wie ernst sie es mit diesem Thema meinen. Michael Bruns von der Linkspartei nimmt kein Blatt vor den Mund: Von einem Radwegenetz könne aktuell „keine Rede sein“. Besonders die Ost-West- und Nord-Süd-Achsen seien Flickwerk statt Verkehrswege. Der Ratsherr kritisiert geplante Rückschritte, wie etwa die vom Kreis vorgesehene Rückverlegung von Radwegen auf die Fahrbahn an der Wiedenbrücker Straße. Für ihn ein Schritt in die falsche Richtung. Stattdessen fordert er mutige Lösungen: Intelligentes Parkraummanagement, ein echtes Netz für den Alltagsverkehr und nicht nur kosmetische Maßnahmen für den Freizeitbereich. Für ihn ist klar: Ohne politischen Wandel im Stadtrat wird es keine zukunftsfähige Verkehrspolitik geben. Die FDP mit Jürg Haseloff gibt sich grundsätzlich offen: Durchgehende und sichere Radwege sind auch aus ihrer Sicht sinnvoll, allerdings mit klarem Fokus auf die Trennung von Verkehrsarten. Für den Liberalen ist Sicherheit das A und O. Sein Vorschlag: Ein stufenweiser Ausbau über fünf Jahre, mit realistischen Planungen und überprüfbaren Etappen. Für die FDP zählt Effizienz vor Emotion und das Ganze bitte ohne ideologische Scheuklappen. Ein möglicher Kooperationspartner also für sachorientierte Mehrheiten, wenn das Thema nicht parteipolitisch aufgeladen wird. „Jetzt anfangen“, ist das zentrale Signal von Elisabeth Körner vom Bündnis 90/Die Grünen. Sie erinnert an frühere grüne Initiativen wie die Fahrradstraße Geiststraße/Esbecker Straße, die am Widerstand anderer Fraktionen gescheitert sei. Der Verkehrsentwicklungsplan von 2019 sei verabschiedet, aber kaum umgesetzt worden. Für die Ratsfrau aus der Öko-Fraktion ist die Zeit des Zauderns vorbei: Lippstadt brauche Tempo – politisch wie planerisch.
Umsetzung
Hans-Dieter Marche von der BG bleibt knapp, aber klar: Ja zur Umsetzung, und das innerhalb von vier Jahren. Zwar fehlen konzeptionelle Details, doch die Ansage steht, ein Zeithorizont, der zumindest Orientierung bietet. Alexander Tschense, parteiloser und von der SPD unterstützter Bürgermeisterkandidat hebt sich mit einem durchdachten Vorschlag ab: Er fordert ein echtes Netz sicherer Hauptachsen, klare Schwachstellenanalyse und digitale Transparenz. Sein Konzept ist dreistufig:Bestandsaufnahme der Infrastruktur, Beteiligung der Öffentlichkeit bei der Bedarfsdiskussion sowie ein verbindlicher Zeitplan mit kommunalpolitischer Rückendeckung. Der vormalige Vorsitzende des Presbyteriums der evangelischen Kirche in Lippstadt will Beteiligung, aber auch Verbindlichkeit. Ein Ansatz, der zwischen Pragmatismus und Planfestigkeit balanciert. Die Sozialdemokraten unterstützen die Idee klar und liefern mit einem Zeitrahmen von fünf bis sieben Jahren ein realistisches, wenn auch ressourcenabhängiges Umsetzungsziel. Erste Planungen sollen kurzfristig beginnen, um eine durchgängige, sichere und ausgeschilderte Radinfrastruktur von den Ortsteilen ins Zentrum zu schaffen. Die SPD verbindet strategisches Denken mit kommunalpolitischer Verantwortung. Ganz anders sieht dies die CDU: Der von ihr gestellte derzeitige Bürgermeister Arne Moritz verweist lediglich auf den Verkehrsentwicklungsplan und sieht die Umsetzung als Aufgabe der Verwaltung. Eigene Impulse, Positionierungen oder Zeitvorgaben? Fehlanzeige. Die CDU überlässt anderen das Feld. Es ist ein Zeichen politischer Zurückhaltung, wo eigentlich Gestaltungswille gefragt wäre.
Verkehrswende
Beim Thema Fahrrad-Schnellverbindungen aus den Ortsteilen in die Kernstadt zeigt sich die politische Landschaft Lippstadts klar gegliedert: Linke, Grüne, SPD, BG sowie Alexander Tschense setzen sich deutlich für ein modernes Radwegenetz ein. Mit unterschiedlicher Tiefe, aber klarer Richtung: Anschluss schaffen, Sicherheit bieten, Zukunft ermöglichen. Die FDP bleibt offen, aber vorsichtig. Sicherheitsbedenken und Effizienz stehen für sie über Tempo. Von der CDU wird hingegen wenig Gestaltungsanspruch gezeigt, sie verweist auf Bestehendes. Ein Signal für politischen Stillstand in einer zentralen Mobilitätsfrage. Was fehlt, ist ein gemeinsamer, überfraktioneller Ruck. Denn ohne politischen Konsens bleibt auch der beste Verkehrsplan nur ein Papiertiger. Klar ist: Die Verkehrswende in Lippstadt entscheidet sich nicht auf dem Papier, sondern auf dem Weg – zwischen Cappel, Benninghausen und der Innenstadt. Wer dort radeln will, braucht mehr als Absichtserklärungen: Nämlich endlich Asphalt unter den Reifen. Die Serie wird mit dem Komplex „Verkehrsrechtliche Möglichkeiten“ fortgesetzt.
